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15.05.2019 |

Smart Mobility Forum #9 - Mikromobilität mit (P)LEV

Können "Light Electric Vehicles" als kleinste Form des Elektrofahrzeugs einen sinnvollen Beitrag zum Klimaschutz sowie zur Entlastung des Verkehrs leisten? Für welche Einsatzzwecke und Geschäftsmodelle eignen sich die Fahrzeuge? Diese und weitere Fragen wurden auf dem SMF #9 der eMO diskutiert.

Mit der angekündigten Gesetzgebung, mit der nun auch in Deutschland E-Kickscooter im Verkehr erlaubt sein werden, stehen viele Startups in den Startlöchern. Welche Chancen und Risiken bringt die neue Regelung mit sich und welche Erwartungen sind daran geknüpft? Welche Rolle können LEVs im Wirtschaftsverkehr spielen?
Diese Fragen wurden am 13. Mai im neunten Smart Mobility Forum in der Schmiede auf dem Schöneberger Euref-Campus diskutiert.

 

Nach den Eröffnungsworten von Carsten Puhl, Hubject, –  "für mich ist Mobilität wichtig und nicht das Fahrzeug" – und Gernot Lobenberg, Leiter der eMO, führte eMO-Innovationsmanager Frank Panse in die Thematik ein.

Er erläuterte die Herausforderungen der Mikromobilität, z.B. die sehr große Bandbreite an Fahrzeugen, eine bislang nur unzureichende Definition außerhalb der EU-Fahrzeugklasse L, das breite Spektrum an Einsatzmöglichkeiten in  Lifestyle, Medizintechnik, Logistik, in Werksverkehren, auf der ersten und letzten Meile im Wirtschaftsverkehr. Ganz klar auf der Hand lagen für ihn die Chancen, die sich aus dem Umfeld der LEVs in Berlin ergeben: Sowohl bei der Entwicklung und dem Design der Fahrzeuge und vor auch der Fertigung, aber auch im Angebot von  Dienstleistungen wie Verkauf, Vermietung, Sharing und Dienstleistungen um das Fahrzeug herum wie Plattformentwicklung, Akkutauschsystem, Versicherungen, Ausrüstung, Bezahldienste, Wartung und Pflege und Datenmanagement böten sich zahlreiche Chancen für die Geschäftsentwicklung von Unternehmen.

Ricarda Mendy von Hubject stellte das EU-Projekt Elviten vor. Unter dem Motto  #Let’sGoElectric werden dort in sechs europäischen Städten Daten beim Betrieb von elektrischen Roller-Flotten gesammelt und für die Optimierung von Flottenmanagement ausgewertet.

 

In  Kurzvorträgen wurden best practice Beispiele aus Berlin vorgestellt:

Wie LEVs miteinander auf Connectivity Plattformen für den Sharingbetrieb  vernetzt werden können, erläuterte Sven Bernhardt von eMO-Partner Comodule.

Katharina Fölsche stellte für das Unternehmen Greenpack, "Swobby" vor. Die Akkuladestationen für den Sharingbetrieb sind vor allem für den Austausch von Akkus von LEVs geeignet und werden derzeit nicht nur in Berlin für den Flottenbetrieb aufgestellt.

Markus Wozniak, von Levcon/TecTrike, stellte den LEV-Konfigurator vor, mit dessen Hilfe elektrische Fahrzeuge, Finanzierung, Infrastruktur online ausgesucht und bestellt werden können.

Marvin Metzke, Simple Mobility, präsentierte den Simple eScooter für nachhaltige Mobilität für den Sharingbetrieb.

 

Mit Spannung wurde der Impuls von Richard Damm, Referatsleiter Im Bundesverkehrsministerium erwartet. Er berichtete vom aktuellen Gesetzgebungsverfahren zur Straßenzulassung von Kickscootern, das nach einigen Nachbesserungsrunden zwischen Bundestag und Bundesrat kurz vor der endgültigen Verabschiedung steht. "Wir wollen verhindern, dass die Euphorie-Akzeptanz-Kurve besser verläuft als in einigen anderen Regionen", so Damm. Ein umfangreicher Dialog zwischen den Anbietern von Sharing-Scootern, Gemeinden und Betreibern von öffentlichen Verkehrsmitteln sei nötig, um Enttäuschungen zu vermeiden.

 

In der anschließenden Diskussion mit Richard Goebelt vom Verband Technischer Überwachungsvereine e.V. und Julia Boss von Wind Mobility waren sich die Diskutanten einig, dass für den erwarteten ersten Ansturm von mietbaren Kickscootern in Berlin kein Horrorszenario zu erwarten sei. Auch das Fahrradsharing habe sich nach anfänglichen Schwierigkeiten als stabil und die Akzeptanz dafür als hoch erwiesen.

 

In einem weiteren Vortrag stellte Damien Declercq von Spring Mobility autonome Service- und Reinigungsfahrzeuge vor.

Die abschließende, von eMO-Kollegin Kathrin Hoffmann moderierte Diskussionsrunde mit Norbert Haller von ID Berlin und  Masoud Kamali von WestTech Ventures warf die Frage auf, was Geschäftsmodelle im PLEV/LEV-Bereich erfolgreich macht. Beide plädierten für mehr Pragmatik bei der Umsetzung von guten Geschäftsmodellen. Man solle sich vor allem politisch mehr zutrauen und dürfe sich nicht allzu sehr von pessimistischen Prognosen entmutigen lassen. Auf Nutzungskonflikte zwischen Autos, Fahrrädern und Mikromobilen auf der Straße angesprochen, plädierte Kamali für eine neue Aufteilung des vorhandenen Straßenraums.