© Berlin Partner
© Berlin Partner

Ende des Kartensalats in Sicht: Schaufenster Elektromobilität erarbeiten Lade-Roaming für Elektroautos

27.10.2014 Ein Ende des Wirrwarrs beim Laden von Elektroautos an öffentlichen Ladesäulen ist in Sicht: Die vier Schaufenster Elektromobilität beseitigen die wichtigsten technischen Hindernisse für ein anbieterübergreifendes Laden und machen damit den Weg frei für ein integriertes Roamingsystem der öffentlichen Ladeinfrastruktur.

Ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg dorthin wird im Rahmen der eCarTec in München am 23. Oktober um 14 Uhr vorgestellt und in der Praxis vor Ort sowie in den Schaufenster-Regionen demonstriert. Dies gilt als Meilenstein: An öffentlichen Ladesäulen der Schaufensterregionen soll dem Jonglieren mit verschiedenen Karten, Kennwörtern, SMS oder gar Münzeinwurf ein Ende bereitet werden.
Die unterschiedlichen Zugangssysteme an öffentlichen Ladesäulen erweisen sich im Alltag als hinderlich, sobald der Kunde den Bereich seines Stromanbieters verlässt oder Ladesäulen anderer Anbieter anfährt.

Der Nachweis der technischen Machbarkeit durch die Schaufenster Elektromobilität ist ein wichtiger Schritt, auch weitere Wettbewerber dazu zu bringen, sich zu vernetzen. Beseitigt werden die hohen Anfangshürden des Zugangs zur Ladesäule (Authentifizierung) und die Eröffnung eines autorisierten Ladevorgangs. Dabei wurde insbesondere an den notwendigen Daten-Standards gearbeitet, etwa bei der Kodierung der Identifikationsnummer auf der Kundenkarte oder bei den Nachrichten, die von System zu System geschickt werden. Eingebracht haben sich führende Unternehmen wie Bosch oder T-Systems aus zehn Projekten des Schaufenster-Programms.

Im Zuge dieser Vernetzung durch die Schaufenster-Initiative werden bereits 80 Prozent der derzeit mehr als 4.400 öffentlichen Ladepunkte an mehr als 2.000 Ladestationen abgedeckt. In Berlin können in kürze rund 265 Ladepunkte über das Roaming genutzt werden. "Damit bekommen Emobilisten aus allen Regionen Deutschlands freien Zugang zum Laden und können sich darauf verlassen, auch in der Hauptstadt mobil zu bleiben," so Gernot Lobenberg, Leiter der Berliner Agentur für Elektromobilität eMO.

Der E-Roaming Showcase wird am 23.10., um 14.00 Uhr am eCarTec Gemeinschaftsstand der Schaufenster in Halle B3, Messestand 401, präsentiert.

Im Mittelpunkt der technischen Arbeiten stand die detaillierte Regelung der IT-Schnittstellen, um die komplexe Freigabe-Kette von Ladesäulen zwischen unterschiedlichen Ladesäulenbetreibern zu ermöglichen. Das typische Ladeszenario läuft automatisiert in den folgenden Schritten ab: Ein E-Fahrzeugnutzer hält seine Kundenkarte an das Lesegerät der Ladestation; die Karte wird ausgelesen. Das IT-System gleicht nun die Kartennummer zunächst mit dem eigenen Kundenkarten-register des Ladesäulenbetreibers ab. Ist die Kundenkarte beim Betreiber der Ladesäule unbekannt, leitet das IT-System die Kartennummer zur Abklärung an ein Dach-IT-System. Von dort werden die beteiligten Mobilitätsanbieter angefragt; ist die Kundennummer einem dieser Mobilitätsanbieter bekannt, erfolgt über ihn die Freigabe an das Dach-IT-System. Von dort wird die Freigabe bis zur Ladestation zurückgeleitet. Der Ladevorgang kann beginnen.

Konkret waren in den vier Schaufenstern Elektromobilität 10 Unternehmen und Institutionen in die technischen Arbeiten eingebunden. Hinzu kamen etwa 20 Projektpartner und Unternehmen mit indirekten Beiträgen, beispielsweise zum Handling von Abrechnungsprozessen, zur Kunden- und Kartenverwaltung oder Hardwareherstellung und -anpassung.

In den nächsten Monaten wollen die Projektpartner weitere Nutzungsoptionen für das Roaming erarbeiten. Im Mittelpunkt steht dabei dann die Freischaltung einer Ladestation per Smartphone-App, gefolgt von der Reservierung einer Ladesäule. "In den Schaufenstern Elektromobilität haben wir die Machbarkeit eines interoperablen Roaming-Systems demonstriert, jetzt ist es an den Marktteilnehmern im zweiten Schritt die notwendigen kaufmännischen Vereinbarungen für Datenaustausch und Abrechnungsmodelle zu treffen", so Franz Loogen, Chef des Schaufensters Elektromobilität Baden-Württemberg. "Je mehr Marktteilnehmer sich beteiligen, desto schneller entsteht eine kundenfreundliche Ladestruktur." So könne Deutschland wichtige Pluspunkte als Leitmarkt für Elektromobilität sammeln, umso mehr als jederzeit auch die Einbindung europäischer Partner möglich ist.

Eine andere wichtige Grundlage für das reibungslose öffentliche Laden wurde bereits im vergangenen Jahr geschaffen: Hier wurde der Standard für die ID-Nummern entwickelt, mit deren Hilfe Elektroauto-Nutzer, Ladesäulen-Betreiber und Stromanbieter eindeutig identifizierbar sind. Die ID-Nummern werden seit Anfang 2014 vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) verwaltet und sind Grundlage für die jetzige Roaming-Architektur.

Die beteiligten Unternehmen:

1. Technikpartner
Bosch, DAI Labor, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), EBEE, EnBW, Hubject, Komola, Stadtwerke Leipzig, T-Systems, Volkswagen AG.

2. Weitere Projektpartner
Bayern Innovativ Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer mbH, Berliner Agentur für Elektromobilität eMO, Bayerische Motoren Werke Aktiengesellschaft, Begleit- und Wirkungsforschung Schaufenster Elektromobilität, enercity Contracting GmbH, E.ON Energie Deutschland GmbH, e-mobil BW GmbH Landesagentur für Elektromobilität und Brennstoffzellentechnologie Baden-Württemberg, ENSO Energie Sachsen Ost AG, highQ Computerlösungen GmbH, Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg GmbH, nkt cables GmbH & Co. KG, OECON Products & Services GmbH, RWE Effizienz GmbH, Sächsische Energieagentur - SAENA GmbH, Vattenfall Europe Innovation GmbH, Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH


3. Über das Schaufensterprogramm Elektromobilität
Das Förderprogramm "Schaufenster Elektromobilität" ist ein zentrales Element des Regierungsprogramms Elektromobilität. Das Programm ist in die vier Schaufensterregionen Baden-Württemberg (LivingLab BWe mobil), Berlin-Brandenburg (Internationales Schaufenster Elektromobilität Berlin-Brandenburg), Niedersachen (Unsere Pferdestärken werden elektrisch) und Bayern-Sachsen (ELEKTROMOBILITÄT VERBINDET) gegliedert, in denen sich über 500 Projektpartner aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kammern, Verbänden und der öffentlichen Hand beteiligen. Die Schaufenster bündeln und erproben systemübergreifend in groß angelegten regionalen Demonstrations- und Pilotvorhaben (Reallabors) die Kompetenzen in den Bereichen Elektrofahrzeug, Energieversorgung und Verkehrssysteme. Bis 2016 werden insgesamt 90 Verbundprojekte mit 334 Teilvorhaben realisiert. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf knapp 300 Millionen Euro, darunter 180 Mio. Euro Fördermittel der Bundesregierung.

Ansprechpartner für das Projekt:
Deutsches Dialog Institut
Begleit-und Wirkungsforschung Schaufenster Elektromobilität

Lisa Körner
Tel.: 069/15300330
Mail: lisa.koerner(αt)dialoginstitut.de

Nähere Informationen zum Schaufensterprogramm finden Sie auf der Webseite: http://schaufenster-elektromobilitaet.org/ueberdasprogramm