Elektro-LKW für die Nachtschicht

17.01.2013 Nachtruhe sichern oder Verkehr in die Nachtstunden verlagern und damit am Tage die Straßen entlasten? Der Konflikt ist fast so alt wie der Lieferverkehr selbst. Eine Lösung können elektrisch angetriebene LKW sein, die sich nahezu lautlos bewegen. Dies zu erproben und zu bewerten ist Aufgabe und Ziel des Schaufensterprojektes "Nachtbelieferung mit elektrischen Nutzfahrzeugen – NaNu", welches durch die Initiative des Fraunhofer Instituts IPK ins Leben gerufen wurde und mit Unterstützung der Bundesregierung in Berlin und Brandenburg umgesetzt wird.

Wenn die Kaufhäuser morgens öffnen, finden die Kunden aufgefüllte Regale und Kleiderständer vor – die tägliche Hauptaufgabe der Logistikdienstleister ist vollbracht. Dies geschieht allerdings auch in der morgendlichen "Rush-Hour" bis zur Geschäftsöffnung. Die Fa. Meyer&Meyer will das ändern. Sie beliefert täglich die Geschäfte der Berliner Innenstadt mit Textilwaren und will dies künftig in die Nachtstunden verlagern. Das entlastet die Hauptverkehrszeiten und reduziert die Fahrzeiten bei der Belieferung. Eine "win-win-Situation", wenn da nicht der nächtliche Verkehrslärm wäre. Hier setzt das Projekt an, in dem rein elektrisch angetriebene LKW eingesetzt werden sollen, deren Lärmemissionen nur noch von den Rollgeräuschen der Reifen kommen. Damit die Fahrzeuge ihren Tourenplan elektrisch schaffen, ohne deren Nutzlast durch die erforderlichen Batterien aufzubrauchen, entwickelt das Fraunhofer Institut ein Batteriewechselsystem für mittelschwere Nutzfahrzeuge, was den einfachen Wechsel der Traktionsbatterie nach jeder Tour im Depot von Meyer&Meyer ermöglicht. Die erforderlichen Umbauten am Versuchsfahrzeug werden vom brandenburgischen LKW-Spezialisten Hüffermann ausgeführt.

Das Projekt "Nachtbelieferung mit elektrischen Nutzfahrzeugen" wird vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Rahmen des Förderprogramms "Schaufenster Elektromobilität" gefördert und durch das Fraunhofer Institut IPK koordiniert. Es ist eines von 34 Kernprojekten im "Internationalen Schaufenster Elektromobilität Berlin-Brandenburg". Die Berliner Agentur für Elektromobilität eMO ist Projektkoordinator. Bereits heute ist Berlin-Brandenburg mit knapp 1 000 Elektrofahrzeugen Deutschlands Hauptstadt der Elektromobilität.