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20.03.2018 | News

SMF #6 Ridesharing – Fluch oder Segen für den urbanen Verkehr in Berlin?

Das sechste Smart Mobility Forum der eMO war zu Gast bei ihrem Partner, der Deutschen Bahn, und diskutierte mit rund 60 geladenen Experten zahlreiche Fragen zu smarten Mobilitätskonzepten, digitaler Vernetzung im urbanen Transport und den Effizienzsteigerungen im städtischen Verkehr.

Stau, Schadstoffe, Flächenverbrauch: eins ist klar, so geht es nicht weiter. Die Smart City setzt deswegen auf Shared Mobility. Digitalisierung und Automatisierung ebnen den Weg weg vom privaten Auto hin zur Mobilität als Dienstleistung. Ride-Sharing, Ride-Hailing und On-Demand Lösungen mischen den Mobilitätsmarkt kräftig durch. Doch in den ersten Städten sorgen Uber und co für mehr und nicht weniger Verkehr. Es stellt sich also die Frage, wie Ridesharing in das Verkehrssystem integriert werden kann, um das Verkehrsaufkommen zu reduzieren.

Das sechste Smart Mobility Forum der eMO war zu Gast bei ihrem Partner am Potsdamer Platz, der Deutschen Bahn, und diskutierte mit rund 60 geladenen Experten diese Fragen.

Nach der Begrüßung durch Gernot Lobenberg, dem Leiter der eMO, führte Gastgeberin Dr. Meike Niedbal, Leiterin Smart Cities bei der DB, in das Thema ein, und erläuterte, warum die Deutsche Bahn mit der Mobilität in der Smart City beschäftigt und was sie in Zukunft plant.

Dr. Gereon Meyer von der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH erläuterte in seinem Vortrag, welche Auswirkungen neue Mobilitätskonzepte auf den bestehenden urbanen Transport hat.

Zunächst zeigte er auf, wie sich die "Zunahme der Smartness in Systemen" entwickelt. Bessere Autos und erneuerbare Energien könnten zu erhöhter Effizienz und damit zu geringeren Emissionen führen. Sharing und Ridesplitting seien eigentlich nicht neu, und hießen früher Mitfahrzentrale, Stattauto oder Anrufsammeltaxi. Das Neue seien die digitalen Plattformen die die Zugänglichkeit verbessern und Kundenfreundlichkeit sichern. Am Beispiel San Franzisko zeigte Meyer, dass die neuen Konzepte an manchen Orten bereits Wirklichkeit sind und eine sehr hohe Kundenakzeptanz haben, in China bis zu 80%. Welche negativen Auswirkungen unkontrollierte neue Angebote haben können, zeige das Beispiel Manhattan wo die Einführung von privaten Poolingdiensten zu erheblich mehr Fahrzeugen und damit zu verstopften Straßen geführt habe. Conclusio: Neue Mobilitätsangebote können zur Vermeidung von Verkehr führen, wenn Sie gut koordiniert werden und aufeinander abnimmt sind.

Stefanie Landgraf von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Umweltschutz warb um Verständnis für die Notwendigkeit von Regeln im Verkehr wie das Personenbeförderungsgesetz und andere Vorschriften. Diese seien nicht aus der Willkür heraus geschaffen, sondern dienten dem Schutz von Passagieren. Für neue Mobilitätskonzepte gebe es die Experimentierklausel, die allen Akteuren gleiche Chancen für das Ausprobieren neuer Ideen sichere. "Wir wollen Rosinenpickerei vermeiden", so Landgraf. Man müsse darauf achten, dass sich Mobilitätsangebote "nicht gegenseitig kanibalisieren". Sie präsentierte die "10 principles of livable Cities", die zahlreiche Unternehmen und Organisationen formuliert haben, um dem Chaos auf Straßen durch unkoordinierte Mobilitätsangebote zu vermeiden. Das neue Berliner Mobilitätsgesetz biete neuen Akteuren auf dem Mobilitätsmarkt innerhalb der Experimentierklausel zahlreiche Optionen, die positive Wirkung Ihres Angebots zu testen und nachzuweisen.

Was derzeit in Berlin in der Planung und teilweise auch schon auf der Straße unterwegs ist, pitchten Vertreter von door2door, ioki, UberPool, und mytaxi. Alle Services bieten Algorithmus-basierte on demand Services an. Die Herausforderungen für alle Vier ähneln sich: sowohl geeignete – elektrische – Fahrzeuge seien auf dem Markt kaum verfügbar und vor allem Fahrer seien derzeit schwer zu finden.

Berichte aus dem Realbetrieb lieferten anschließend Felix Schaar von CleverShuttle über den On-demand Service in Berlin, München, Leipzig und Lübeck und Augustin Friedel von der Deutschen Bahn über die Erfahrungen aus dem Pilotbetrieb des ersten autonomen Busses im öffentlichen Verkehr in Bad Birnbach.

In der anschließenden, von eMO Mitarbeiterin Johanna Reinhardt moderierten Fishbowldiskussion meldet sich unter anderem das Taxigewerbe zu Wort und stellte die neuen Mobilitätsangebote teilweise in Frage. Alle Teilnehmer des Forums waren aufgerufen, sich zu beteiligen und Fragen wie: "trägt Shared Mobility zur Reduzierung der Verkehrsprobleme bei?" Und "der ÖPNV als Rückgrat der neuen Mobilität: Wie werden neue Mobilitätsdienste in das bestehende ÖPNV-Angebot integriert?" zu diskutieren.

 

Zum Abschluss gab Stefan Volk, Industry Manager Automotive bei Google einen Ausblick darauf, wie sich denn der wirkliche Nutzer die Zukunft der Mobilität vorstellt: 1. Im Mittelpunkt steht der Seamless Journey, keine zahlreichen Optionen 2. Vertrauen in die Mobilitätsdienstleistungen, wenn was schiefgeht, kommt Ersatz. 3. Der Nutzer möchte nicht einfach nur von A nach B kommen, der Weg soll eine Experience sein.